Ein Artikel, passend zu unserer Situation!

 Erschienen am Mi, 21-02-2019   

Ein umstrittenes Thema im Gesundheitswesen steht heute im niederösterreichischen Landtag auf der Tagesordnung. Geht es nach dem Antrag der ÖVP Niederösterreich soll das österreichische Apothekergesetz dahingehend geändert werden, dass Landärzte viel leichter eine ärztliche Hausapotheke führen dürfen. "Die Möglichkeit zur Führung einer ärztlichen Hausapotheke sollte (...) flexibler gestaltet werden und nicht an starre Entfernungsvorgaben gebunden sein, sondern sich vielmehr an den konkreten Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren", heißt es. Im Antrag wird die Bundesregierung aufgefordert, rasch Vorschläge, welche die notwendigen Rahmenbedingungen für die nachhaltige Absicherung der medizinischen Nahversorgung aber auch der Versorgung mit Arzneimitteln in ländlichen Regionen gewährleisten, vorzulegen. Bis dato ist der Betrieb einer ärztlichen Hausapotheke im Gesetz streng geregelt und orientiert sich an Kilometerentfernungen zu öffentlichen Apotheken. Die Apothekerkammer ist verärgert und will diesen Änderungswunsch bekämpfen, die Ärztekammer unterstützt das Vorhaben.

Hausapotheken: Niederösterreich erhöht Druck

 

 

Anreiz für freie Kassenstellen
Derzeit gilt folgendes Gesetz: Nur wenn eine öffentliche Apotheke mehr als sechs Kilometer entfernt liegt, kann ein Hausarzt den Betrieb einer ärztlichen Hausapotheke in seiner Gemeinde bewilligen lassen. Bei der Übernahme einer Kassenstelle mit Hausapotheke muss die Entfernung zur nächsten öffentlichen Apotheke mindestens vier Kilometer betragen. Landtagsmandatar und ÖVP-Gesundheitssprecher Franz Dinhobl ist davon überzeugt, dass der aktuelle Vorstoß überlebenswichtig für die Landärzte ist. Gerade die bevorstehende Pensionswelle der Allgemeinmediziner in den nächsten zehn Jahren bereitet aktuell Kopfzerbrechen. Um den Ärztemangel abfedern und Kassenstellen - vor allem auf dem Land - attraktiver machen zu können, will man damit - zum Missfallen der Apotheker - einen wichtigen Schritt setzen.

Schwerwiegende Folgen
Die Verantwortlichen der Apothekerkammer befürchten durch eine "Reduktion der Zahl öffentlicher Apotheken zugunsten neuer ärztlicher Hausapotheken" schwerwiegende Folgen für das Gesundheitssystem. "Einzig und allein die Berufsgruppe der Apotheker hat das fachliche Rüstzeug und die entsprechende Ausbildung, um Medikamente an die Bevölkerung abgeben zu können", erklärt ein Sprecher der Apothekerkammer. Die Trennung von Arzt und Apotheker bestehe seit 750 Jahren und habe einen wesentlichen Grund: Der Mediziner solle sich auf die Diagnose und Therapie konzentieren und seine Verschreibepraxis nicht von wirtschaftlichen und logistischen Herausforderungen durch Arzneimittel abhängig machen. Auch das bewährte "Vier-Augen-Prinzip" verhindere Medikationsfehler und trage wesentlich zur Patientensicherheit bei. Seitens der Ärzteschaft widerspricht man: "Apotheker haben keine Information über die Erkrankung des Patienten, können also rein technisch keinerlei Überprüfung durchführen, ob die Verschreibung korrekt ist."

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